Neue Anforderungen im Umfeld des Energiemanagements nach ISO 50001

Anforderungen50001
Copyright (c) Ingrid Amon-Tran

Für zertifizierte Unternehmen ergeben sich spätestens ab Oktober 2017 erhöhte Anforderungen an den Nachweis erzielter Energieeffizienzverbesserungen. Der Planungs- und Zeitaufwand sowie die Kosten für die Auditierung werden deutlich steigen.

Zunehmend stehen Unternehmen, die schon länger ein Energiemanagementsystem eingeführt haben vor der Herausforderung, die Steigerung ihrer Energieeffizienz oder die Reduzierung des Energieverbrauchs in gleichem Maße wie bisher fortzuführen. Die offensichtlichen Maßnahmen, die sog. low hanging fruits sind bereits umgesetzt worden und die gebildeten Energiekennzahlen spiegeln die Effizienzgewinne nicht wider.

Der Grund liegt in den Änderungen der Einflussfaktoren auf den Energieverbrauch, wie beispielsweise Qualitätsanforderungen, Rohstoffe und Stillstandszeiten. So kommen die Energiemanagementbeauftragten nicht nur gegenüber dem Auditor, sondern auch intern, bspw. gegenüber dem Controlling oder der Geschäftsführung, in Erklärungsnot.
Eine gute Hilfestellung bekommen Unternehmen durch die Anwendung der ISO 50006 und der ISO 50015, die rechtlich nicht verpflichtend sind, sondern als Leitfaden zur Unterstützung dienen sollen.

ISO 50006:2014-12: Energiemanagementsysteme – Messung der energiebezogenen Leistung unter Nutzung von energetischen Ausgangsbasen (EnB) und Energieleistungskennzahlen (EnPI) – Allgemeine Grundsätze und Leitlinien. Sie beinhaltet Methoden, wie EnB und EnPI gebildet, beschrieben und überprüft werden können sowie die zu berücksichtigenden Faktoren. Sie beschreibt, wie Maßnahmenpläne effizient erstellt und implementiert werden können und erläutert Methoden zur Bewertung und Nachverfolgung der Zielerreichung.

ISO 50015:2014-12: Energiemanagementsysteme – Messung und Verifizierung der energiebezogenen Leistung von Organisationen – Allgemeine Grundsätze und Anleitung
Schwerpunkte sind aussagekräftige Messungen und die Verifizierung der Effizienzsteigerung. Sie enthält Empfehlungen zur Erfassung von Daten für die Kennzahlbildung, beschreibt die notwendige Kompetenz der handelnden Personen und die Wahl geeigneter Methoden. Sie erläutert die Erstellung und Überprüfung eines „Messplans“ (M&V Plan) mit Verfahren zur Sicherung der Datenqualität, zur Bestimmung von Maßnahmen für die Verbesserung der energiebezogenen Leistung, zur Nachbewertung durchgeführter Maßnahmen und zur Identifikation ggf. notwendiger Folgemaßnahmen.
Für zertifizierte Unternehmen bleibt offen, in wie weit Widersprüche in geltenden DAkkS-Richtlinien im Sinne der ISO 50015 angeglichen werden.

Verschärfung für nach ISO 50001 zertifizierte Unternehmen

ISO 50003:2014-10: Energiemanagementsysteme – Anforderungen an Stellen, die Energiemanagementsysteme auditieren und zertifizieren.

Sie legt Methoden zur Ermittlung des Auditumfangs fest und macht zusätzliche Vorgaben zu Auditinhalten und zur Kompetenz der Auditoren. Im Anhang enthält sie den Verweis auf die Normen ISO 50006 und die ISO 50015, was die Frage aufwirft, ob deren Umsetzung damit im Rahmen der Audits geprüft werden soll. Wenn eine Verbesserung der energiebezogenen Leistung nicht erreicht wurde, oder ein erheblicher Zweifel besteht, dass eine wirksame Prozesslenkung vorliegt, wird dies zukünftig als Nonkonformität für das EnMS eingestuft. Der Nachweis der energetischen Leistungsverbesserung wird damit faktisch verpflichtend.

Die Norm soll bis spätestens November 2017 umgesetzt werden und ersetzt zumindest in Teilen die DAkkS-Richtlinie 71 SD 6 022. Die Zertifizierungsgesellschaften werden sich im 1. HJ 2017 entsprechend akkreditieren lassen. Angewendet werden sollen die neuen Regelungen für alle Neu- oder Rezertifizierungen ab dem 4. Quartal 2017.

Neu sind:

  • die Bestätigung des durch die Organisation festgelegten Geltungsbereiches
  • die Forderung, dass Auditnachweise hinsichtlich der energiebezogenen Leistung durch den Auditor zu sammeln und zu verifizieren sind
  • die Berechnung des Auditzeitumfangs in Anhängigkeit von der Komplexität (gewichtete Faktoren aus Energiequellen, wesentlichen Energieeinsätzen und Energieverbrauch) und der Anzahl des EnMS-wirksamen Personals. Hierfür muss die Zertifizierungsstelle ein Verfahren zur Bestimmung der Anzahl des EnMS wirksamen Personals für den Geltungsbereich der Zertifizierung und für jedes Audit des Auditprogramms festlegen und dokumentieren. Der Prozess für die Bestimmung muss sicherstellen, dass Personen, die aktiv zur Erfüllung der Anforderungen des EnMS beitragen, berücksichtigt werden.
  • Die Kompetenzanforderungen an den Auditor. Es wird unterschieden zwischen allgemeinen und technischen Kompetenzanforderungen. Letztere werden durch Anwendungsbereiche definiert (Industrie leicht bis mittel, Industrie schwer, Gebäude, Gebäudekomplexe, Transport, Bergbau, Landwirtschaft, Energieversorgung).

Fazit: Maßnahmen zur Abschöpfung energetischer sowie auch wirtschaftlicher Potentiale finden sich in  der Regel nicht mehr einfach in den Querschnittstechnologien, sondern erschließen sich erst in den Produktionsprozessen selbst bzw. dem Zusammenspiel beider Bereiche, was die Komplexität deutlich erhöht. Es erfordert somit sehr gezielte Analysen, um schlüssige Aussagen treffen zu können.

Die ISO9T GmbH kann Ihr Unternehmen bei dieser Herausforderung unterstützen.